Chronologie des Projektes "Kinder-Umwelt-Gesundheit"

 

Das Projekt "Kinder-Umwelt-Gesundheit" an der Hochschule Magdeburg Stendal (FH)
Prof. Dr. Thomas Hartmann

Das Projekt "Kinder-Umwelt-Gesundheit" (KUG) besteht seit dem Wintersemester 1998 an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen des Studiengangs Gesundheitsförderung und -management. Im WS 2006/07 wird mit dem vierten Zyklus (KUG IV) auf Grund der Studienreform das Projekt in der jetzigen Vorgehensweise beendet.

Im Rahmen der Ausbildung von Diplom-GesundheitswirtInnen (FH) ist das dreisemestrige Projektstudium Schnittstelle zwischen den Lerninhalten des Studiums einerseits und dem sich in der Praxis „ausprobierens" andererseits. Den Projektmitgliedern wird darüber hinaus ein hohes Maß an Teamfähigkeit und Kompetenzerwerb auf unterschiedlichsten Feldern abverlangt, wie bspw. Projektmanagement, Dokumentation, Evaluation, Qualitätsmanagement, Finanzierung, Öffentlichkeitsarbeit und Neue Medien insb. das Internet.

Zusätzlich erbringen Studierende im Rahmen von Seminararbeiten, Anwendungspraktika (7 W), Praxissemestern (20 W) und Diplomarbeiten inhaltliche und wissenschaftliche Beiträge zum Thema Kinder-Umwelt-Gesundheit. Erste Absolventinnen können das Thema Kindergesundheit und Umwelt auch an ihren Arbeitsstellen weiterverfolgen.

Das Projekt "Kinder-Umwelt-Gesundheit" beschäftigt sich mit der ökologischen Gesundheitsförderung für Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren im Sinne der Ottawa Charta der WHO (1986). Hierunter sind Informationen und Maßnahmen zu verstehen, die einerseits Kinder vor den Gefahren aus der Umwelt schützen, andererseits die Lebens(um)welten (Settings) von Kindern so gestalten helfen, dass gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen für Kinder (und ihre Bezugspersonen) erreicht werden können. Themen sind z.B. Bewegung, Ernährung, Lärm, Unfälle, Vergiftungen usw. Kinder aus sozial schlechter gestellten Verhältnissen bedürfen in diesem Zusammenhang unserer besonderen Aufmerksamkeit, da Armut i.d.R. das größte gesundheitliche Risiko darstellt.

Im globalen Maßstab gibt es hier Überschneidungen mit dem Forderungskatalog der UN-Kinderrechtskonvention im Zusammenhang mit den ökologischen Kinderrechten, die auf nationaler Ebene in den Aktionsplan „Für ein kindgerechtes Deutschland 2005-2010“ umgesetzt wurden.

Auf der Grundlage der Methodik gesundheitsförderlicher Interventionen als Gemeinschaftsaktionen für Gesundheit, sind sowohl Verhaltens- als auch Verhältnisprävention zu betreiben. Der komplexe Ansatz ist an den Alltagsaktivitäten der Kinder orientiert und wird sich auf den Haushalt der Eltern bzw. der Erziehungsberechtigten und der Kindertagesstätte ausrichten. Ein solcher "Ort für Gesundheit" wird Setting genannt.

Das Projekt KUG hat seit 1998 vielfältigste Themen der ökologischen Gesundheitsförderung für Kinder in verschiedenen Zusammenhängen bearbeitet. So konnte im November 2000 im Rahmen des europaweiten "Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit" (APUG) eine bundesweite Tagung zum Thema "Kinder-Umwelt-Gesundheit in den Neuen Bundesländern" mit finanzieller Unterstützung des Umweltbundesamtes in Magdeburg geplant und durchgeführt werden. Das Projekt ist im Rahmen des APUGs Mitglied im Netzwerk „Kindergesundheit und Umwelt“, das als einzige Nichtregierungsorganisation am Aktionsprogramm aktiv beteiligt ist.

Ein Schwerpunkt des APUG ist das Thema Lärm. Dazu wurden von der Projektgruppe (KUG I) Materialien für Vorschulkinder entwickelt, die in Form einer Spielsammlung erstellt und an Erzieherinnen und Eltern zum "Tag des Lärms" 2002 in Magdeburg vorgestellt und praktisch erprobt wurden. Die positive Resonanz auf dieses Weiterbildungsangebot einschließlich einer Befragung sowie eine im Winter 2003 durchgeführte Erhebung in den Kindertagesstätten Magdeburgs, hat zum derzeitigen Schwerpunkt der "Gesundheitsförderung im Elementarbereich" geführt.

Das Projekt KUG möchte dazu beitragen, Kindertagesstätten zu einem gesundheitsfördernden Setting zu entwickeln. Die bundesweite bildungspolitische Diskussion über die Frühförderung und die dramatischen Veränderungen im Bereich der Kinderbetreuung (nicht nur) im Land Sachsen-Anhalt haben eine erhebliche Dynamik in den Elementarbereich gebracht. Unsere Weiterbildungsangebote möchten zur qualitativen Entwicklung der Kindertagesstätten im Bereich Gesundheitsförderung beitragen. So hat das Projekt KUG II im November 2002 eine Tagung: "Gesundheitsförderung und Prävention im Setting Kindergarten - ein förderungswürdiger Ansatz für die Kommune!?" veranstaltet. Aus den Ergebnissen der Tagung ist auf den Grundlagen einer settingbezogenen Gesundheitsförderung ein Konzept zur Weiterbildung von Erzieherinnen entwickelt und durchgeführt worden, das sich aus folgenden Modulen zusammensetzt:

1.    "Bewegte Kindheit - Gesundes Leben - Gesundheit durch Bewegung fördern"

2.    "Mit allen Sinnen - draußen und drinnen"

3.    "Stressbewältigung durch Kreativität"

4.    "ErzieherInnengesundheit - Leistung durch Wohlbefinden"

Das Projekt arbeitet mit den unterschiedlichsten Institutionen und Organisationen zusammen und erfährt vielfältigste Unterstützung. Dazu gehören auf Bundesebene das Netzwerk "Kindergesundheit und Umwelt" mit über 25 Mitgliedsorganisationen. Auf Landesebene besteht die Zusammenarbeit mit dem "Landesamt für Verbraucherschutz" sowie dem Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt. Auf kommunaler Ebene besteht Kontakt mit den verschiedensten Abteilungen der Stadtverwaltung Magdeburg.

Ein weiterer Schwerpunkt der Projektarbeit ist es, ein webbasiertes Informationsangebot so weiterzuentwickeln, dass es an der Schnittstelle "Kinder-Umwelt-Gesundheit" in der Ausbildung verschiedenster Professionen genutzt werden kann. Im Rahmen der vom Umweltbundesamt im Jahr 2000 geförderten Tagung konnte eine Internetpräsenz mit der Domain: www.kinderumweltgesundheit.de eingerichtet und gestaltet werden. Zurzeit fehlt es an Mitteln und Möglichkeiten die Website zu aktualisieren und auszubauen.

Das Projekt KUG dokumentiert seine Vorhaben durch die Zusammenstellung von Texten und Linklisten mit entsprechenden Beschreibungen unter der Domain: www.kindergesundheitsfoerderung.de.

Ausblick: Seit 1998 hat das Thema "Kindergesundheit und Umwelt" einen unvergleichlichen Aufschwung genommen. Im Rahmen des Aktionsprogramms "Umwelt und Gesundheit" ist das Thema "Kindergesundheit und Umwelt" im Vergleich zu anderen Schwerpunkten zum einzigen "öffentlichen" Thema des APUG geworden. Das Motto des Weltgesundheitstages 2003: "Gesunde Umwelt - Gesunde Kinder" versucht über besondere Problemfelder wie Passivrauchen, Ernährung oder Lärm eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Das Projekt KUG hat sich mit einer eigenen Aktion daran beteiligt: Frau Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist ein Offener Brief: "Passivrauchbelastung - das Kinderumweltthema Nr.1" mit Forderungen zur Eindämmung des Tabakmissbrauchs zum Schutz der Kinder anlässlich des Weltgesundheitstages persönlich überreicht worden.

So ist es konsequent, dass nach London 1999 in Budapest 2004 die "vierte ministerielle Konferenz zu Umwelt und Gesundheit" der WHO-Euro Region mit 53 Mitgliedsstaaten unter dem Motto: "The future of our children" steht. Es wurde in Budapest ein Aktionsplan zur Kindergesundheit: "Children's environment and health action plan for Europe (CEHAPE)" in Budapest für die derzeitige Dekade (Rom 2009) beschlossen.

Weitere nationale und europäische Initiativen sind angekündigt bzw. geplant, von denen nur einige hier benannt sind: So hat die nationale Arbeitsgruppe "Gesundheitsziel Kindergesundheit" 10 Ziele definiert, die sich am jeweiligen Setting der Kinder als Kristallisationspunkt orientieren. Das Deutsche Forum für Prävention und Gesundheitsförderung will entsprechende Projekte in Kindertagesstätten und Schulen fördern. Im Kontext mit dem Aktionsplan für Nahrung und Ernährung in Europa, soll eine nationale Ernährungsstrategie für Kindergesundheit entwickelt werden. Kinder stehen auch im Mittelpunkt der "Europäischen Umwelt- und Gesundheitsstrategie" (2003-2006), die von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften gerade verabschiedet wurde.

Weitere politische, institutionelle oder forschende Institutionen sind: Das "Europäische Zentrum für Umwelt und Gesundheit" der WHO und Deutschlands in Bonn mit Schwerpunkt städtische Umwelt und Gesundheit. Das internationale "Kollaborationszentrum für Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter" der WHO an der Universität Bielefeld. Das dreijährige (2003-2005) Projekt der Europäischen Union eines Netzwerkes "Policy Interpretation Network on Children's Health an Environment" (PINCHE). Der Kinder- und Jugendsurvey (KIGGS) unter Federführung des Robert Koch-Institutes hat das Ziel, für Deutschland verallgemeinerungsfähige, umsetzungsrelevante Daten und Erkenntnisse zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-18 zu gewinnen. Erweitert wird dieses Vorhaben durch den Kinder-Umweltsurvey (KUS) des Umweltbundesamtes.

Dies zeigt, dass es in Zukunft einen steigenden Bedarf an gut ausgebildeten AbsolventInnen geben dürfte, die das Thema "Kindergesundheit und Umwelt" sowohl in der Praxis als auch wissenschaftlich voranbringen können.

Magdeburg, Januar 2006

APUG (Hg) (2006): Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit - Projekte-Aktivitäten-Ergebnisse: APUG-Bericht 1999-2005. Berlin.

Kinder brauchen Zukunft (2005): Gesundheit und Gesellschaft 8 Jg: Ausgabe Spezial 11/2005

Kurth, B.-M. (2005): Daten für Taten! Zur gesundheitlichen Situation von Kindern. Vortrag auf GesundLernen des 2. Kongresses der DFPG am 25.10.2005 in Berlin

Netzwerk Kindergesundheit und Umwelt (Hg) (2004): Kind-Umwelt-Gesundheit: Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen. 3. Aufl. Bremen.

 

Projekt "Kinder-Umwelt-Gesundheit" Projekt "Kinder-Umwelt-Gesundheit" (PDF-Datei 18 KB)